Wenn du barfuß joggst, werden deine Füße deutlich stärker gefordert als in Laufschuhen.
Wer barfuß joggen möchte, sollte sich Zeit für die Umstellung nehmen. Eine gute Beratung kann dabei hilfreich sein. Vor allem aber braucht der Körper Zeit, sich an die veränderte Belastung anzupassen. Mathias beschreibt, dass Sehnen, Bänder und Gelenkkapseln aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Stoffwechselaktivität deutlich langsamer auf Trainingsreize reagieren als Muskeln. Er sieht in diesem Zusammenhang einen Zeitraum von 12 Monaten. [Mathias]
Ein wichtiger Aspekt beim Barfußlaufen ist die Lauftechnik. Was ist damit gemeint? Lieberman konnte zeigen, dass sich das Laufverhalten von gewohnheitsmäßigen Barfußläufern häufig von dem vieler Läufer in Laufschuhen unterscheidet. [Lieberman]
Läufer in Laufschuhen landen zunächst auf der Ferse und rollen anschließend über den Fuß ab. Dieser Laufstil wird als "Fersenlauf" bezeichnet. Barfußläufer setzen dagegen häufig mit dem Mittel- oder Vorfuß auf. Damit ist der "Mittelfußgang" oder "Mittelfußlauf" gemeint.
Séhel beschreibt die Unterschiede zwischen diesen Laufstilen ausführlich. [Séhel] . Der Fersenlauf ist aus zwei Gründen problematisch. Erstens baust Du mit jedem Schritt eine Kraft auf, die entgegen der Laufrichtung wirkt. Du bremst also mit jedem Schritt. Zweitens wird der Aufprall unmittelbar an die Knie- und Hüftgelenke weitergeleitet; damit steigt die Gefahr von ernsthaften Verletzungen oder vorzeitigem Gelenkverschleiß. Beim Mittelfußlauf wird das Becken stärker in die Bewegung einbezogen. Im Kern geht es darum, den Fuß in der Flugphase eines Schrittes so weit nach vorne zu schieben, dass Du mit dem flachen Fuß aufsetzt. Der wichtigste Vorteil ist, dass die Füße den Aufprall abfangen. Und da die Füße zum größten Teil aus Muskeln bestehen, werden die Gelenke geschont. Der zweite Vorteil ist die fehlende Bremswirkung. Der Aufprall wird eher dafür genutzt, den nächsten Schritt einzuleiten.
Aus meiner Sicht ist das einer der Gründe, warum viele Menschen das Barfußlaufen als angenehm empfinden. Der Fuß arbeitet aktiver, die Muskulatur wird stärker eingebunden und die Bewegung fühlt sich oft flüssiger an.
In der Bildergalerie unten findest du Beispiele für Fersenlauf und Mittelfußlauf. Einen vertieften Eindruck von den unterschiedlichen Laufstilen vermittelt außerdem ein Video von Georg .
Joggen ist nicht meine bevorzugte Sportart. Dennoch laufe ich die sechs Kilometer des Bonner Firmenlaufs regelmäßig barfuß. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich barfuß bessere Zeiten erreiche als früher mit Laufschuhen.
Eindrücke vom Barfußlaufen
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Literatur & Quellen
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[Lieberman]
Lieberman DE, Venkadesan M, Werbel WA, Daoud AI, D'Andrea S, Davis IS, Mang'eni RO, Pitsiladis Y. Foot strike patterns and collision forces in habitually barefoot versus shod runners. Nature. 2010 Jan 28;463(7280):531–535. DOI: 10.1038/nature08723. -
[Mathias]
Mathias, D. (2022): Die Biomechanik des Laufens. In: Fit und gesund von 1 bis Hundert mit Ernährung und Bewegung. Springer, Berlin, Heidelberg. DOI: 10.1007/978-3-662-64209-2_81 -
[Séhel]
Solarberg Séhel: Mittelfußlauf. ISBN 9783767911147, Copress Verlag, 2017.