Ich möchte keine konventionellen Schuhe mehr tragen. Und wenn ich gehalten bin, Schuhe zu tragen, dann sollen es Barfußschuhe sein. Aber was sind Barfußschuhe überhaupt? Was spricht für sie – und was gegen sie?
Gemeint sind Schuhe, die sich von herkömmlichen Schuhen unterscheiden und ein möglichst barfußähnliches Gehgefühl vermitteln sollen. Streng genommen ist der Begriff „Barfußschuh“ jedoch ein Widerspruch in sich: Entweder ich laufe barfuß oder ich trage Schuhe. Beides gleichzeitig geht nicht.
Mich erinnert dieser Begriff an das Märchen von der klugen Bauerntochter. Darin bekommt das Mädchen vom König den Auftrag, „nicht nackend, aber auch nicht angezogen“ bei ihm vorzusprechen.
Häufig werden Barfußschuhe auch „minimalistische Schuhe“ oder „Minimalschuhe“ genannt. Diese Bezeichnungen sind nach meiner Beobachtung allerdings weniger geläufig.
Es spricht viel für Barfußschuhe. Hier sind einige gute Gründe.
- Herkömmliche Schuhe sind oft zu eng. Minimalschuhe haben dagegen im Normalfall eine breitere Zehenbox und geben den Zehen mehr Raum. Dadurch tragen sie sich häufig angenehmer. Außerdem kann ausreichend Platz im Schuh helfen, Verformungen der Füße vorzubeugen.
- Minimalschuhe haben in der Regel eine Nullsprengung. Das bedeutet: Ballen und Ferse befinden sich auf gleicher Höhe. Weder Damen- noch Herrenmodelle haben einen Absatz. Das kann eine natürlichere Haltung und ein natürlicheres Gangbild unterstützen.
- Die Sohle ist meist dünn und beweglich. Dadurch wird der Fuß weniger stark geführt und kann aktiver arbeiten. Außerdem erhält der Fuß mehr Rückmeldung darüber, wie er steht und geht. Diese Körperwahrnehmung nennt man Propriozeption.
Warum ich trotzdem kein Fan von Barfußschuhen bin.
- Zwischen Fuß und Boden liegen immer noch einige Millimeter Sohle. Dadurch ist der direkte Kontakt zum Untergrund eingeschränkt. Ich spüre kaum Boden, und die sensorische Rückmeldung ist schwächer als beim echten Barfußlaufen.
- Die Füße sind der Witterung nicht ausgesetzt. Sie bleiben dadurch empfindlicher, als wenn sie regelmäßig mit Kälte, Wärme, Feuchtigkeit und unterschiedlichen Untergründen in Kontakt kommen.
- Der für mich wichtigste Punkt ist: Auch Barfußschuhe erlauben es nicht, den Boden so direkt zu erspüren wie nackte Füße. Dadurch ist es schwieriger wahrzunehmen, ob ich meinen Fuß gleichmäßig belaste. Mehr dazu findest du unter Drei-Punkte-Stellung.
- Im Zusammenhang mit dem Sport habe ich den Mittelfußlauf beschrieben. Studien deuten darauf hin, dass manche Läufer, die barfuß eher auf dem Mittel- oder Vorfuß landen, beim Tragen von Schuhen wieder zum Fersenlauf wechseln. Das kann auch bei sehr minimalistischen Schuhen passieren.